Jugendliche der Arrestanstalt Moltsfelde erleben Kunst

Jugendliche der Arrestanstalt Moltsfelde erleben Kunst

 

In der Jugendarrestanstalt Moltsfelde bekommen Jugendliche, die durch ihre Taten auffällig geworden sind, eine neue Chance, ihr Leben wieder in Ordnung zu bringen. Denn im Gegensatz zu einer Strafanstalt, in der Straftäter wegen ihrer Vergehen verurteilt worden sind und eine Strafe absitzen müssen, handelt es sich beim Jugendarrest um einen kurzfristigen Freiheitsentzug. Je nach Schwere des Vergehens dauert der Aufenthalt in der Arrestanstalt zwischen zwei Tagen und vier Wochen. In dieser Zeit sollen sich die Arrestanten, so der offizielle Name der Insassen, ohne den Einfluss ihres bisherigen sozialen Umfeldes mit den begangenen Straftaten auseinanderzusetzen. In Moltsfelde steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund und der Arrest ist ein „Warnschuss“, der die Jugendlichen vor einem kriminellen Lebensweg bewahren soll.

In ihrem Arrestalltag haben nun die Jugendlichen die Möglichkeit, Kunst aus nächster Nähe zu erleben. Denn im Rahmen des Projekts „Kunst trifft Schule“, das der museumspädagogische Leiter der Herbert Gersich-Stiftung, Wilhelm Bühse, initiiert hat und von der Stiftung der Sparkasse Südholstein gefördert wird, besuchen sie den Skulpturenpark und die aktuelle Kunstausstellung der Herbert Gerisch-Stiftung. Dabei werden Sie von Vollzugbeamten begleitet.

Der Besuch und die Auseinandersetzung mit den Kunstwerken dauern zirka zweieinhalb Stunden, wobei im letzten Drittel die jungen Besucher selbst mit Hand anlegen müssen und unter Anleitung von Wilhelm Bühse aus Knetmasse kleine Kunstwerke erschaffen. Es ist das besondere und unmittelbare Kunsterlebnis, das bei den jungen Menschen unerwartete Reaktionen hervorruft. Die anfängliche Skepsis und Unsicherheit gegenüber einer bis dahin verschlossenen Welt weicht schnell einer positiven Neugier, etwas Neues durch die Kunst zu entdecken. Die Eindrücke, mit denen die Jugendlichen in die Arrestanstalt zurückkehren, sind überaus positiv.

Das Projekt „Kunst trifft Schule“ gehört zu den langjährigen Fördermaßnahmen der Stiftung der Sparkasse Südholstein. Bis zu 60 Schulklassen im Jahr können an einer museumspädagogischen Führung teilnehmen und Kunst außerhalb des Klassenzimmers hautnah an Objekten namhafter Künstler der Gerisch-Stiftung miterleben. In Zeiten von Corona, in denen der persönliche Besuch der Klassen aus Hygienegründen nicht möglich war, stellte die Stiftung die Kunstvermittlung kurzerhand auf digitalem Wege um. Während die Kunst vom museumspädagogischen Leiter Wilhelm Bühse per iPad präsentiert wurde, verfolgten die Schülerinnen und Schüler den Rundgang durch die Ausstellung aus sicherer Entfernung von ihrem Klassenzimmer aus. Kunst eröffnet oft unerwartet den Zugang zu ganz unterschiedlichen, neuen Erlebnissen.